Erprobung der virtuellen Realität (II) – Zweiter Schritt: Lernen und Handeln mit Social Virtual Learning (SVL).

Im Lernfeld 7 des Lehrplans der Fachpraktiker für Medientechnologie Druck ist das Lernziel „Druckmaschinen einstellen und instand halten“ kurz und knapp formuliert. Was sich an komplexen technologischen Zusammenhängen dahinter verbirgt, kann nur derjenige nachvollziehen, der sich mit den Vorgängen in Offsetdruckmaschinen beschäftigt. Die zu erlernenden Lerninhalten werden in einer Aufzählung von Begriffen zusammengefasst. Aber was verbirgt sich hinter den Begriffen wie Anleger, Druckwerke, Zylindersysteme, Einfärbesysteme usw.? Das lernen die Auszubildenden u.a. im 2. Ausbildungsjahr im Berufsschulunterricht. Der zeitliche Richtwert für dieses Lernfeld beträgt 80 Stunden und ist somit sehr umfangreich.

Auszubildender bei der praktischen Erprobung der virtuellen Realität

Auszubildender bei der praktischen Erprobung der virtuellen Realität.

Ergänzend zum Berufsschulunterricht und der praktischen Ausbildung, unterstützen die digitalen Tools wie SVL und SAL das Lernen. Die immersive virtuelle Realität, das Lernen am Modell in der virtuellen Druckerei, wirkt motivierend. Bei unseren Erprobungen testen wir das angepasste, bereits textoptimierte SVL-Modul 1. Dabei geht es um das erstmalige Kennenlernen der virtuellen Realität. Die Handhabung der Controller wird detailliert erläutert, die Anpassung der Brille vorgenommen und die ersten Schritte im Lernmodul erklärt. Die Bewegung in der virtuellen Druckhalle begleiten wir persönlich und individuell. Den Avatar nutzen wir für die ersten Erprobungen nicht. Die persönliche Step-by-Step-Begleitung beim Lernmodul durch den Ausbilder hilft den Azubis, sich auf die Lernaufgaben zu konzentrieren. Die visuellen Eindrücke in der virtuellen Druckerei und am animierten 3D-Modell, die Handhabung der vielen Funktionen der Controller, das genaue Lesen der eingeblendeten Aufgabentexte, erfordern die Hilfestellung während der Erprobung durch einen Ausbilder.

Auf Grund der Ergebnisse der ersten Erprobungen und Feedbacks der Lernenden, konnten die bereits erstellten Module weiter entwickelt und Verbesserungen eingearbeitet werden. Fehler wurden beseitigt. Im Laufe der Erprobung stellte sich heraus, dass die Teilnehmer eine kontinuierliche Begleitung durch die Module benötigen. Dieses wurde im Verlauf der Anpassung berücksichtigt und die Lernenden können zunehmend selbstbestimmt durch die Lernanwendungen steuern. Zusätzlich wurden vereinfachte Hilfsgrafiken gestaltet und in die virtuelle Druckerei eingefügt, um bei Positionierungen von Bauteilen am 3D-Modell eine Orientierungshilfe zu haben.

Auszubildende im Rollstuhl bei der Erprobung der SVL Module

Neue Erfahrungen und Erkenntnisse, gab es bei der Erprobung mit einer Rollstuhlfahrerin.

Auch ist die Ansprache der Lernenden verändert worden. Auf die höfliche Anrede „Sie“ wurde verzichtet und auf „Du“ umformuliert. Durch die direkte Ansprache fühlen sich die Teilnehmer eher mit der neuen Lerntechnologie verbunden und können die Lerninhalte besser aufnehmen. In den Erprobungen stellte sich heraus, dass die Inhalte teilweise zu umfangreich sind. Dieses hängt auch mit dem Stundenumfang des Lernfeldes zusammen. Wir werden ausgewählte SVL-Module in kleinere Module aufzuteilen und so die Lerninhalte differenzierter darstellen.

Ein nächster Schritt wird sein, dass wir gemeinsam Lernvideos mit den Auszubildenden erstellen. Die Lernenden sollen erklären, wie einige Arbeitsschritte ablaufen, die in der virtuellen Realität nicht dargestellt werden können, aber einen Zusammenhang mit dem Modul haben. Diese Videos können Dank der Software in das jeweilige SVL/SAL eingebunden werden.

 

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